Perspektive Zukunft: class matters – Ergebnisse des AK Jugendmonitors 2026

Ein Beitrag von Magdalena Schwarz und Malena Haas, Expertinnen für Jugendpolitik, Jugendbeteiligung und Demokratie in der AK Wien

Wer kennt es nicht? Der Schreck über die Höhe der Rechnung beim Einkaufen, das Erstaunen, wenn das Getränk im Lokal so viel kostet wie eine kleine Speise.
Seit 2022 steigen die Preise [1] und für viele steigt damit der Druck. Die liebgewonnene Wohnung, Ausgaben fürs eigene Hobby und der Weiterbildungskurs für bessere Chancen am Arbeitsmarkt müssen plötzlich gegeneinander abgewogen werden – alles zusammen geht sich nicht mehr aus.
Neben der verfestigten Teuerung erleben wir eine Welt mit zunehmenden kriegerischen Konflikten und einem Hitze-Sommer, der uns deutlich macht, was uns aufgrund der Klimakrise mit Dürren und Waldbränden bevorsteht.
Positiv wirkt sich das auf die Stimmung nicht aus. Einige verlieren den Mut und viele fragen sich zu Recht: Wie soll das alles weitergehen? Was bedeutet das für mich, für Österreich, für die Welt?
Besonders für junge Menschen stellt sich angesichts dieser Entwicklungen die Frage, wie sie auf ihre Zukunft blicken. Wie geht es ihnen mit diesen Perspektiven? Verlieren sie die Hoffnung oder überwiegt trotz allem die Freude auf Zukunft?
Warum wir über Zuversicht reden sollten
Als AK Wien wollen wir genauer wissen, ob junge Menschen optimistisch oder pessimistisch in die Zukunft schauen – mit Blick auf die eigene Zukunft, aber auch mit Blick auf die Zukunft Österreichs.
Zuversicht ist dabei einerseits persönliches Gefühl und eine Haltung: Wer zuversichtlich ist, traut sich selbst etwas zu. Gleichzeitig ist Zuversicht auch eine gesellschaftliche und demokratische Ressource, denn wer zuversichtlich ist, engagiert sich für Veränderung und Verbesserung. Die Überzeugung jeder und jedes Einzelnen, dass Umstände nicht unveränderlich sind, sondern dass Gesellschaft und Zukunft gestaltbar sind und das Leben Chancen bietet, ist besonders für Demokratien wichtig.
Zuversicht schafft außerdem Verbindung und Vertrauen. Sie bietet damit, anders als Angst und Resignation, eine Grundlage, um die großen und drängenden Herausforderungen gemeinsam anzupacken.
Wie lässt sich Zuversicht also herstellen? Hat es jede und jeder selbst in der Hand, zuversichtlich zu sein? Genau das haben wir uns im neuen AK Jugendmonitor angesehen und die Antwort ist – so viel wollen wir vorwegnehmen – nein.
Zuversicht ist eine soziale Frage
Im 2. AK Jugendmonitor [i] haben wir junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren in ganz Österreich gefragt, ob sie mit Blick auf ihre persönliche Zukunft optimistisch oder pessimistisch sind. Die gute Nachricht: Die Mehrheit (64%) hat dabei angegeben, optimistisch in ihre Zukunft zu blicken, während 31% pessimistisch in die Zukunft blicken. Ein genauerer Blick in die Daten zeigt: Nicht das Geschlecht, eine etwaige Migrationsbiografie oder der Wohnort – ob Stadt oder Land – bestimmen über Lebenszufriedenheit und Zukunftserwartungen der jungen Menschen, sondern einzig und allein der sozio-ökonomische Hintergrund [2, S. 44].
Je geringer die finanziellen und sozialen Ressourcen, desto pessimistischer sind die Zukunftserwartungen.
Aufgrund des starken Einflusses des Faktors „sozio-ökonomischer Hintergrund“ wurden für die Auswertungen der Ergebnisse drei ökonomische Cluster gebildet, die in sich weitgehend homogen sind. Wir sprechen dabei von vertikaler Ungleichheit, die die Gesellschaft wie entlang einer Leiter in ein „Oben“, „Mitte“ und „Unten“ strukturiert. Das „Oben“ und „Unten“ soll darstellen, dass manche mehr Ressourcen zur Verfügung haben als andere. In der Hierarchie unserer Gesellschaft sind mehr oder weniger Ressourcen meist auch mit mehr oder weniger Chancen verbunden.
Die „Oberen“ 30% der jungen Menschen sind finanziell gut abgesichert. Ihr Haushalt verfügt über mehr als genug finanzielle Ressourcen, es gibt Einnahmen aus unterschiedlichen Quellen, Unterstützung durch Eltern und ein Erbe wird erwartet.
Die „Mittleren“ 40% der jungen Menschen haben ausreichend finanzielle Mittel zum Leben. Ihr Haushaltseinkommen liegt im statistischen Durchschnitt.
Für die „Unteren“ 30% der jungen Menschen geht es sich finanziell kaum bis gar nicht aus. Sie können nicht auf Unterstützung der Eltern hoffen und erwarten auch kein Erbe.
Die Zahlen im Jugendmonitor zeigen, dass die „Oberen“ 30% mehr als doppelt so oft angeben, optimistisch in die eigene Zukunft zu schauen, als die „Unteren“ 30% (s. Abb. 1).

Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man junge Menschen nach der Zukunft Österreichs fragt: Hier geben nur noch 42% aller Befragten an, eher optimistisch zu sein, 53% sind pessimistisch. Betrachtet man die Antworten entlang der ökonomischen Cluster, sieht man, dass unter den „Oberen“ 30% die Mehrheit (56%) optimistisch in die Zukunft Österreichs blickt. Von den „Unteren“ 30% sind es nicht einmal halb so viele (24%) (s. Abb. 2).

An dieser Stelle wird deutlich, dass sich das Leben junger Menschen durch ihre unterschiedliche finanzielle Ausgangslage stark unterscheidet. Zwar wachsen sie als eine Generation unter vergleichbaren Umständen auf, allerdings prägen die ungleich verteilten Ressourcen Lebensrealitäten, Chancen und auch den Blick in die Zukunft viel stärker als mögliche kulturelle Gemeinsamkeiten einer Generation. Zuversicht – so Martina Zandonella, Autorin des AK Jugendmonitors – erweise sich damit „weniger als individuelle Haltung, denn als sozial strukturiertes Deutungsmuster“ [2, S. 76].
Zuversicht als gemeinsame Verantwortung
Im 2. AK Jugendmonitor haben wir junge Menschen auch offen – d.h. ohne Vorgabe von Antwortmöglichkeiten – nach den Gründen für ihre zuversichtlichen oder sorgenvollen Erwartungen gefragt. Diese Antworten wurden codiert, geclustert und zeigen deutlich, dass neben dem persönlichen Umfeld jene Umstände eine Rolle spielen, die wir als Gesellschaft gestalten und beeinflussen können.
Für diejenigen, die positiv in ihre eigene Zukunft blicken, steht etwa der Grund „berufliche Perspektiven“ an dritter Stelle. Diese Antwort wurde besonders häufig von den „Mittleren“ 40% und den „Unteren“ 30% gegeben („Habe so ein tolles Praktikum zugesagt bekommen”; „Ich darf ein Auslandssemester machen”) [2, S. 48]. Für diejenigen, die pessimistisch in die eigene Zukunft blicken, spielen vor allem finanzielle Unsicherheit („…, dass immer weniger übrig bleibt”) [2, S. 50] und eingeschränkte Aussichten auf stabile Erwerbsarbeit eine Rolle für den sorgenvollen Blick in die Zukunft.
Noch deutlicher wird die gesellschaftliche Verantwortung für Zuversicht, wenn es um die Zukunft Österreichs geht. Jene, die hier positiv gestimmt sind, nennen dafür stabile gesellschaftliche Rahmenbedingungen und positive gesellschaftliche Entwicklungen, aber auch Arbeitsmarktchancen („Man ist auch abgesichert, wenn etwas passiert”; „Österreich ist ein Rechtsstaat”; „Meine Straße wurde begrünt”) [2, S. 52].
Gründe für Pessimismus in Bezug auf Österreichs Zukunft sind steigende Lebenserhaltungskosten, zunehmende soziale Ungleichheit und auch hier wieder die Lage am Arbeitsmarkt. („Alles wird teurer”; „Einige werden immer reicher, viele haben immer weniger”) [2, S. 53] (s. Abb. 3).

Mutig in die neuen Zeiten: Strukturen der Zuversicht stärken
Der 2. AK Jugendmonitor liefert nicht nur der Politik klare Handlungsaufträge: Wer den grassierenden Politfrust stoppen und den Zulauf zu demokratiefeindlichen Kräften aufhalten will, muss die Zuversicht der Jungen stärken. Das gelingt nur, wenn auch in Zeiten klammer öffentlicher Budgets soziale Ungleichheit abgebaut und das finanzielle Fundament der jungen Menschen saniert wird. Junge Menschen brauchen eine solide, stabile Basis, damit sie sich etwas aufbauen und ihre Ziele verwirklichen können.
Auf die Frage, wem sie zutrauen, die Zukunft für junge Menschen positiv zu gestalten, nannten 60% der Befragten: Sie selbst „wenn sie sich mit anderen zusammentun“ [2, S. 61]. Nützen wir dieses Angebot und verändern wir die Dinge gemeinsam!

Magdalena Schwarz leitet das Team Jugendbildung und Vermittlung in der Abteilung Lehrausbildung und Bildungspolitik der AK Wien und arbeitet zum Querschnittsthema Jugendpolitik. Sie versucht, die Anliegen junger Menschen zu unterschiedlichen Politikfeldern sichtbar zu machen.

Malena Haas ist Geografin und in der Stabsstelle Jugend & Beteiligung der Arbeiterkammer Wien an der Schnittstelle junge Menschen und Demokratie tätig. Ein zentraler Aspekt ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.
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Bibliografie:
ORF.at (2023, 16. Jänner). Inflation im Jahr 2022 auf 8,6 Prozent gestiegen. https://orf.at/stories/3301482/ (Abgerufen am 28.08.2026)
Zandonella, M., Haas, M., Lehner, D., & Schwarz, M. (2026). 2. AK Jugendmonitor 2026. Wien: Verlag Arbeiterkammer Wien. https://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/image/AC17903614/1/
[i] Der AK Jugendmonitor wurde 2026 zum zweiten Mal veröffentlicht und von Martina Zandonella / FORESIGHT research durchgeführt. Befragt wurden 1.500 junge Menschen in Österreich zwischen 16 und 29 Jahren. Die Studie ist abrufbar unter: https://emedien.arbeiterkammer.at/viewer/image/AC17903614/



