Fachtag 2026 - "Übergang statt Bruchstelle: Was braucht es für eine faire Chance erwachsen zu werden?"
Liebe Kolleg:innen, liebe Unterstützer:innen,
es ist wieder soweit: Die [um]bruch:stelle lädt zum Fachtag 2026. In Vorträgen, Workshops und einer Podiumsdiskussion gehen wir den Bedarfen Jugendlicher und junger Erwachsener im Übergang ins eigenständige Leben nach. Wir diskutieren strukturelle Rahmenbedingungen sowie Ansatzpunkte für eine gute, altersadäquate psychosoziale Versorgung. Denn in allen Bereichen der psychosozialen Versorgung ist das „Junge Erwachsenenalter“ (15–25 Jahre) mittlerweile Thema geworden. Entwicklungspsychologische Besonderheiten wie hohe Mobilität und Risikobereitschaft sowie der komplexe Verselbständigungsprozess (z.B. Wohnungssuche, Finanzbildung) treffen mit 18 Jahren auf einen Wechsel der Unterstützungssysteme, der oft mit harten Brüchen verbunden ist und sanfte Übergänge verunmöglicht. Zudem schüren Teuerung, zunehmend prekäre Arbeits- und Wohnperspektiven und weltweite Krisen Zukunftsängste. Symptome dieser komplexer werdenden Gemengelage, etwa die Zunahme an psychiatrischen Erkrankungen bei Jugendlichen, Jugenddelinquenz, Überschuldung bei Junge Erwachsenen oder riskanter Mischkonsum, sind Fragen über die mehrfach medial berichtet und öffentlich diskutiert wurde. Die psychosoziale Arbeit hat sich hier mit und für ihre Adressat:innen mit Fachlichkeit einzubringen - insbesondere in Zeiten angespannter Budgets. Die [um]bruch:stelle rückt seit 2023 Junge Erwachsene in den Mittelpunkt. Mit dem 2.Fachtag "Was braucht es für eine faire Chance erwachsen zu werden?" möchte die [um]bruch:stelle Fachkräften, Wissenschaft, Verwaltung und Politik ein Forum bieten, um aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen handlungsfeld- und bereichsübergreifend zu diskutieren.
Hard facts
Was?
Wann?
1.10.2026 von 8:30 - 17:00, im Anschluss Möglichkeit zum informellen Ausklang
Wo?
Markhof - Das Dorf in der Stadt,
Markhofgasse 19, 1030 Wien
auch von West- und Hauptbahnhof mit U3 & 18er in wenigen Minuten erreichbar
Wie
Wie viel?
Regulärer Ticketpreis: 95€
Ticketpreis für Mitglieder: 65€
Verpflegung während des Fachtags inklusive,
Bar im Anschluss für Selbstzahler:innen

Detalliertes Programm:
09:20 - 10:00 Uhr:
Vortrag „Erwachsen werden in der Gegenwartsgesellschaft - Destabilität und Verlust von Zukunftsperspektiven?” – Vorstand & Team der [um]bruch:stelle
Aktuell finden wir im globalen Norden eine Gesellschaft vor, die noch nie da gewesene Möglichkeiten bereit zu halten scheint. Während früher vorgefertigte Lebenswege dominierten ("Schaffa, schaffa, Hüsle baua"), sind nun in fast allen Lebensbereichen unterschiedlichste Lebensentwürfe möglich. Ausbildungswege werden länger, Berufsentscheidungen reversibel - ein Raum für Exploration ist geschaffen. Der Verlust an Normbiographien bedeute im Erwachsenwerden jedoch auch einen Verlust an Orientierung und Stabilitäten. Und in einer Zeit wo alles möglich zu sein scheint, wird "Scheitern" als individuelles Versagen gelesen. Dabei wird zweierlei übersehen: Die Risiken und Chancen der Gegenwartsgesellschaft sind ungleich verteilt. Nicht alle Jugendlichen haben eine faire Chance erwachsen zu werden. Und die Bedingungen der Gegenwartsgesellschaft scheinen eine neue, spezifische Entwicklungsphase bedingt zu haben: Das Junge Erwachsenenalter. Der Vortrag versucht eine Synthese von Konzepten und Theorien der Sozialwissenschaft und Entwicklungspsychologie. Er steht symbolisch für das Grundverständnis des Begriffs "Junge Erwachsene", wie ihn die [um]bruch:stelle gebraucht.
10:15 - 11:15 Uhr:
Vortrag „Junges Wien, echte Chancen? Ein Statusbericht zur sozialen Teilhabe” - Sina Moussa-Lipp & Malena Haas (AK Wien)
Jung, urban, chancenreich – so lässt sich eine Nachwuchsgeneration beschreiben, die in einer der lebenswertesten Städte der Welt aufwächst. Doch wie gestaltet sich der Sprung ins, Erwachsenenleben für junge Menschen in Wien tatsächlich? Mit welchen Herausforderungen haben junge Wiener:innen zu kämpfen? Wird nicht investiert, besteht die Gefahr, dass eine Generation junger Erwachsener mit deutlich weniger Chancen in der Ausbildung, am Arbeitsmarkt und bei der Wohnungssuche heranwächst. Ohne gerechte Unterstützung werden sich jene durchsetzen, die mehr Ressourcen und bessere soziale Netzwerke haben. Worauf gilt es, politisch und gesellschaftlich zu reagieren, um die Chancen für junge Menschen gerechter zu verteilen? Sina Moussa-Lipp ist Expertin für Demokratie, Stadt- und Wohnpolitik in der Arbeiterkammer Wien. Ihre Arbeit fokussiert auf Fragen politischer und gesellschaftlicher Teilhabe, sozialer Gerechtigkeit sowie auf Rahmenbedingungen eines guten Zusammenlebens in der Stadt. Sie verbindet wissenschaftliche Analyse mit politiknaher Expertise und wirkt an der Erarbeitung von Studien, Positionen und Empfehlungen zu demokratiepolitischen und urbanen Themen mit. Ziel ihrer Arbeit ist es, auf evidenzbasierten Grundlagen Impulse für eine sozial ausgewogene und Stadt- und Wohnpolitik zu schaffen. Malena Haas ist Geografin und Raumforscherin und bei der Arbeiterkammer Wien, Team Jugend und Beteiligung tätig. Ihre Arbeit fokussiert sich auf die Partizipation von Kindern und Jugendlichen, Demokratie und Mitbestimmung sowie urbane Prozesse, insbesondere Konflikte um den Zugang zu öffentlichen Räumen. Ihr Schwerpunkt sind Mitbestimmungsmöglichkeiten junger Menschen bei politischen Entscheidungen sowie urbanen Planungsprozessen. Ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis.
11:30 - 12:30 Uhr:
Vortrag „Blick über den Tellerrand: Struktur junger Wohnungslosigkeit und Verfasstheit des Hilfesystems in Deutschland” - Katharina Brüchmann (GISS - Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung, Bremen)
Der Vortrag behandelt Leaving Care und Wohnungslosigkeit. Er fasst internationale Studien zu diesem Thema zusammen, nennt Faktoren, die Wohnungslosigkeit begünstigen, und zeigt, wie sich diese verhindern lässt. Zudem beleuchtet er aktuelle Entwicklungen der stationären Hilfen in Deutschland und gibt Einblicke in die Studie „Care Leaver Statistics: Soziale Teilhabe im Lebensverlauf – eine Langzeitstudie“. Katharina Brüchmann ist seit 2020 wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung (GISS). Sie forscht sowohl qualitativ als auch quantitativ zu Wohnungslosigkeit, zur Jugendhilfe und zu Teilhabe. Zu ihren Arbeitsschwerpunkten gehören eine quantitative Langzeitstudie zum Leaving Care, die Evaluation von Programmen und Projekten sowie die Weiterentwicklung fachlicher Konzepte in der Wohnungsnotfallhilfen.
14:00 - 15:30 Uhr:
Parallelsessions: „Aktuelle Herausforderungen diskutieren“
Session A: “Zwischen Adoleszenz und Erwachsenenalter – Sucht im Kontext von Beziehung und Entwicklung” - Anna Bösch, Monika Baschlberger (Dialog – Individuelle Suchthilfe)
Der Workshop beleuchtet riskanten Substanzkonsum und Sucht im Übergang von der Adoleszent zum Erwachsenenalter als Phänomen, das eng mit Entwicklungsaufgaben und Beziehungserfahrungen verbunden ist. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Bedeutung die Betreuungsbeziehung als zentraler Wirkfaktor in der Begleitung, Beratung und Behandlung junger Menschen mit Suchterkrankungen einnimmt. Gemeinsam werden fachliche Perspektiven auf die besondere Dynamik dieser Lebensphase, auf Risiken und Herausforderungen im jungen Erwachsenenalter sowie auf Möglichkeiten professioneller, positiv wirksamer Beziehungsgestaltung diskutiert. Ziel ist es, ein vertieftes Verständnis für Sucht im Kontext des Transitionsalters zu fördern und praxisnahe Impulse für die Arbeit mit diesen bemerkenswerten jungen Menschen zu vermitteln. Mag.a Anna Bösch, MSc, ist Klinische und Gesundheitspsychologin sowie Psychotherapeutin und stellvertretende Einrichtungsleitung am Standort Individuelle Suchthilfe Gudrunstraße des Dialog. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind die Arbeit mit Jugendlichen, Traumapsychotherapie von Menschen mit Suchterkrankungen, mit besonderem Fokus auf Opioidabhängigkeit und komplexe Traumafolgestörungen, sowie diverse Vortragstätigkeiten. Neben ihrer Beschäftigung im Dialog ist Anna Bösch in freier Praxis als Psychotherapeutin tätig. DSA Monika Baschlberger ist als Diplomierte Sozialarbeiterin und stellvertretende Einrichtungsleitung am Standort Individuelle Suchthilfe Nord des Dialog tätig. Sie bringt langjährige Erfahrung in der Suchthilfe-Landschaft in Wien mit, hier besonders bzgl. Stärkung der Risikokompetenzen bei hochriskantem multiplem Substanzkonsum Jugendlicher und junger Erwachsener. Neben der praktischen Arbeit wurde regelmäßige Netzwerk- und Workshop-Tätigkeit ausgeführt.
Session B: “Jugend, Strafe und gesellschaftliche Verantwortung: Zwischen Systemen und Beziehung” - Tamara Höfer (Richtungswechsel)
Der Workshop lädt dazu ein, den Umgang mit straffälligen Jugendlichen nicht nur als Frage von Recht und Strafe zu betrachten, sondern als Teil eines sozialen Ökosystems. Dieses umfasst Beziehungen, Institutionen, gesellschaftliche Erwartungen und individuelle Lebensrealitäten, die miteinander in Wechselwirkung stehen. Ausgehend von der Praxis und Haltung von Richtungswechsel sowie internationalen Ansätzen wie RESCALED wird gemeinsam untersucht, welche Rolle Haft in diesem Gefüge tatsächlich spielt und wo sie an ihre Grenzen stößt. Im Zentrum stehen Fragen nach Verantwortung, Beziehung und Wirksamkeit: Was brauchen junge Menschen, damit Veränderung möglich wird? Und welche Bedingungen braucht ein System, um das zu unterstützen? In einem dynamisch-interaktiven Setting werden zentrale Akteur:innen sichtbar gemacht und bestehende Annahmen hinterfragt. Ansätze wie Restorative Justice und Relational Security eröffnen dabei alternative Perspektiven auf Sicherheit und Zusammenleben. Mithilfe von Futuring-Methoden entwickeln die Teilnehmenden eigene Bilder eines zukunftsfähigen Umgangs mit Jugendkriminalität jenseits von reiner Bestrafung, hin zu einem System, das auf Beziehung, Verantwortung und gesellschaftliche Einbindung setzt. Tamara ist eine ehemalige Justizvollzugsbeamtin und hat für die UNODC sowie im englischen Justizsystem in der Strafvollzugsforschung gearbeitet. Als Expertin für Strafvollzug und dessen Reform verwendet Tamara einen evidenzbasierten Ansatz, um Bemühungen zur (Wieder-)Integration zu unterstützen.
Session C: “Verselbstständigung in der Kinder- und Jugendhilfe - sturktureller Rahmen und praktische (Un)Möglichkeiten” - Elisabeth Mitterfellner ([um]bruch:stelle) und Martin Schenk (Armutskonferenz & Diakonie)
Wenn Jugendliche aus einer stationären Wohngemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe ausziehen sind sie mit 18 Jahren, spätestens jedoch mit 21 Jahren weitgehend auf sich alleine gestellt. Für Fachkräfte bedeutet dies, relativ früh mit Jugendichen Kompetenzen für die selbstständige Lebensführung erarbeiten zu müssen. Und dies unter erschwerten Bedingungen: denn die Gegenwart ist in der Regel schon herausfordernd genug. Der Workshop bleuchtet die gesetzlichen Rahmenbedingungen und leitet daraus praktische Implikationen für den psychosozialen Berufsalltag ab. Ziel ist es sowohl auf Ebene der Anwaltschaftlichkeit und Parteilichkeit für Junge Erwachsene als auch in der unmittelbaren Betreuung und Begleitung das Handlugnsrepoitoire zu erweitern. Lilli Mitterfellner ist Obfrau der [um]bruch:stelle und seit vielen Jahren als Sozialarbeiterin in Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe und Kinder- und Jugendhilfe tätig. Derzeit arbeitet sie als stellvertretende Leitung einer Regionalstelle der MA11. Durch ihre Erfahrung in beiden Berufsfeldern hat sie stets die Herausforderungen Junger Erwachsener sowie die Schnittstelle zwischen Minderjährigkeit und Volljährigkeit im Fokus. Martin Schenk ist Sozialexperte der Diakonie Österreich und Mitbegründer der österr. Armutskonferenz. Arbeitsschwerpunkte sind Soziale Ungleichheit, Gesundheit, Kinder & Jugendhilfe und Bildung. Zuvor hat Martin Schenk lange Jahre mit Wohnungslosen, Menschen mit Behinderungen, sozial benachteiligten Jugendlichen und in der Gesundheitsförderung gearbeitet. Zusätzlich hat er neben der sozialen Initiativen „Hunger auf Kunst und Kultur“, den Verein Hemayat, das SozialrechtsNetz oder die Frühe Hilfen mitinitiiert oder darin mitgearbeitet.
15:45 - 16:30 Uhr:
Podiumsdiskussion “Policy Arbeit in herausfordernden Zeiten - wie NGOs trotzdem wirksam werden könn(t)en”
Mit:
-
Elisabeth Hammer, Obfrau BAWO & Geschäftsführung neunerhaus
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Martin Schenk, Sozialexperte Armutskonferenz & Diakonie
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Birgit Wittstock, Journalistin DerStandard
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Markus Hollendohner, Leitung FSW Wohnungslosenhilfe
Eine wesentliche Aufgabe der psychosozialen Arbeit ist die anwaltschaftliche und parteiliche Vertretung Ihrer Adressat:innen. In Zeiten angespannter Budgets ist dies in zweierlei Hinsicht herausforderd. Erstens wird aufgrund der hohen Arbeitsbelastung zu Recht als erstes intern bei Posten gespart, die nicht unmittelbar mit und für Adressat:innen arbeiten. Zwei Sozialpädagog:innen in einer WG weniger, ziehen andere Konsequentzen nach sich als zwei Fachreferent:innen im Büro. Zweitens stehen viele NGOs in direkten Abhängigkeitsverhältnissen zu öffentlichen Fördergeber:innen. Auch aus Sorge um die eigenen Mitarbeiter:innen wird Policy Arbeit, die auch auf unbequeme Umstände hinweisen kann, seltener eine größere Rolle zugesprochen. Die Podiumsdiskussion zwischen Politik, Medien und sozialen Organisationen geht der Frage nach wie NGOs als Expert:innenorganisationen dennoch wichtige Veränderungen im Sinne ihrer Adressat:innen anregen können. Wie können sie für die Politik verlässlich Expertise einbringen, wie sensibel mittels Öffentlichkeitsarbeit gesellschaftlich zum Hin- statt wegschauen motivieren?
