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Studienbeginn als Arbeiter:innenkind und First-Generation-Student:in

  • Autorenbild: Maximilian Vater
    Maximilian Vater
  • 26. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Ein Beitrag von Maximilian Vater, Referent für Working Class Students an der Österreichischen Hochschüler:innenschaft der Universität Wien 


Ein Glas mit Münzen gefüllt woraus zwei kleine Pflänzchen wachsen
Foto von Philippe Bout auf Unsplash

Ich kann mich noch sehr genau an meinen ersten Tag an der Uni erinnern. Es war im Oktober 2020, als ich meinen Bachelor in Wirtschaftswissenschaften an der Universität Leipzig begann. Die Gefühle, die mich damals am meisten begleiteten, waren vor allem Angst und Unsicherheit. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommen würde, da ich auf keinerlei Erfahrungen zum Thema Studium in meiner Familie zurückgreifen konnte. Gemeinsam mit meinem Bruder war ich nämlich der Erste in der Familie, der mit dem Studium begonnen hat.  


 

Mein Studienbeginn war dominiert von Selbstzweifeln und allerhand Gedanken, die vielen Arbeiter:innenkindern und First-Generation-Studis wahrscheinlich bekannt vorkommen: Bin ich hier an der Uni überhaupt richtig? Wie funktioniert dieses Universitätssystem? Warum scheinen irgendwie alle um mich herum zu verstehen, was der/ die Professor:in erzählt, obwohl wir doch alle gerade erst angefangen haben?  

Vor allem die Frage nach der Zugehörigkeit – ob ich überhaupt an die Uni gehöre – ist eine, die vielen Arbeiter:innenkindern und First-Generation-Studis nicht unbekannt ist. Und es ist auch eine Frage, die einen das ganze Studium über begleitet, egal, wie weit man schon gekommen ist. Mittlerweile habe ich meinen Bachelor abgeschlossen, studiere im Master, und diese Gedanken begleiten mich immer noch.  

 

Wirft man einen Blick auf die Zahlen, fällt schnell auf, dass der Raum „Universität“ für Studierende mit meinem Hintergrund extrem unzugänglich ist. Während 79 % der Akademiker:innenkinder ein Studium beginnen, sind es bei Schüler:innen aus Nicht- Akademiker:innen-Haushalten nur 27 %. Zwar kommen 48 % der Studierenden an deutschen Hochschulen aus Nicht-Akademiker:innen-Haushalten, jedoch stammen 71 % der Kinder an Schulen aus solchen Haushalten. Von den Studierenden aus Nicht-Akademiker:innenfamilien schließen etwa 20 % erfolgreich ihren Bachelor ab; bei Akademiker:innenkindern sind es 64 %. Den Master absolvieren 11 % der Arbeiter:innenkinder, aber 43 % der Akademiker:innenkinder. Und von 100 Akademiker:innenkindern erlangen durchschnittlich sechseinen Doktortitel, von 100 Nicht-Akademiker:innenkindern sind es lediglich zwei. [1] 

 

 

Die Grafik zeigt die vorher erwähnte Statistik von Akademiker:innenkinder und Nichtakademiker:innenkinder, wie viele von 100 Menschen ein Studium beginnen, den Bachelor abschließen, den Master abschließen oder eine Promotion machen. Unten rechts sieht man das logo der Umbruchstelle, auf schwarzem Hintergrund. Die Zahlen werden bildlich mit Uniabschlusshüten gezeigt.

Diese Zahlen zeigen vor allem eines: Je höher der akademische Abschluss, desto weniger Nicht-Akademiker:innenkinder wird man finden.  


Genau hier versuchen wir als Referat für Working-Class Students an der ÖH Uni Wien mit unserer Arbeit anzusetzen. Wir wollen eine Anlaufstelle sein, an die sich Arbeiter:innenkinder und First-Generation-Studis mit allen Fragen rund ums Studium wenden können – völlig egal, ob jemand gerade erst angefangen hat oder bereits mittendrin steckt. Wir nehmen uns allen Anliegen an und versuchen vor allem eines zu bieten, was im Uni-Alltag oft untergeht: Kommunikation auf Augenhöhe. Die Universität sollte ein Ort sein, an dem sich alle wohlfühlen, ganz gleich, was ihr sozialer Hintergrund ist oder woher sie kommen. Gerade, wenn man sich viel im akademischen Umfeld bewegt, entsteht schnell der Eindruck, man sei allein mit seinen Selbstzweifeln und der Frage: „Gehöre ich hier überhaupt her?“ Genau dafür sind wir da und wollen vermitteln: „Du bist nicht allein. So wie dir geht es extrem vielen Studierenden.“   

 

Deshalb ist unsere Arbeit so wichtig: Um Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen und um eine Ansprechperson zur Verfügung zu stellen, die sich der Probleme annimmt.  

 

Um gezielt auf die Problem einzugehen, die sich insbesondere beim Studienstart ergeben, arbeiten wir aktuell daran, ein Buddy-System auf die Beine zu stellen. Dieses Buddy-System soll bereits im Sommersemester 2026 starten und Studierenden aus Nicht-Akademiker:innenhaushalten die Möglichkeit geben, eine feste Ansprechperson an ihrer Seite zu haben. Gerade Themen wie die Anmeldung zu Vorlesungen, Kursen oder Prüfungen oder schon das Finden des richtigen Raums sind Hürden, von denen uns in der täglichen Arbeit oft berichtet wird. Unsere Hoffnung ist es, mit diesem Buddy-Programm gezielt zu unterstützen und den Studienstart zugänglicher zu machen. Niemand sollte gezwungen sein, sich diesen Problemen und Hürden alleine zu stellen.  


Wir lassen unsere Studis nicht im Stich. Wir sind für euch da, wenn ihr Hilfe braucht.  

Dafür arbeiten wir jeden Tag, um den teils sehr elitären Raum „Universität“ für alle zugänglicher zu machen.  


 


Hier ist ein Bild des Autors Maximillian Vater zu sehen. Er trägt einen schwarzen Rollkragenpullover, hat zurückgesteckte Haare und trägt eine Brille. Dabei lächelt er sehr freundlich und neugierig. Einen Teil seines Rechten armes von seiner Sicht aus sieht man auch.
© Studioline Photography  

Maximilian Vater ist 23 Jahre alt und studiert im Master Internationale Entwicklung an der Universität Wien. Ursprünglich kommt Maximilian aus Deutschland, wo er auch seinen Bachelor gemacht hat. Seine Erfahrungen im Studium waren, und sind auch weiterhin, sehr stark davon geprägt, dass er gemeinsam mit seinem Bruder der erste aus seiner Familie ist, der studiert. Seit Juli 2025 ist Maximilian Referent für Working Class Students an der ÖH Uni Wien und versucht in seiner Arbeit vor allem eine Anlaufstelle für Arbeiter:innenkinder und First Generation Studis zu sein.  



Erreichbar ist Maximilian per Mail unter maximilian.vater@oeh.univie.ac.at oder unter workingclassstudents@oeh.univie.ac.at. Weitere Informationen können auf der Website des Referats (https://oeh.univie.ac.at/referate/working-class-students) und auf Instagram (@oeh_workingclass) gefunden werden. 


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Bibliografie:

  1. Wolbert, Maresa (2024): Als Arbeiterkind zur Professur? – Soziale Herkunft und Bildungsgerechtigkeit. https://www.academics.de/ratgeber/arbeiterkind


Weiterführende Links: 

Instagram-Empfehlung des Autors für wichtige Aufklärungsarbeit: @malik.yannick 

  


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